Frage zur Hydraulik Speziell Frontlader (senkt nicht ab)

K

Klicker

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Bilshausen
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6245
Hallo Liebe Gemeinde,

Beim Stroheinfahren (Rundballen) ließ sich der Frontlader unseres 6245 mit Schäffer Frontlader Einfachwirkend, nach ca. 1,5 Stunden plötzlich nicht mehr absenken (ohne Last). Unser Fahrer hatte pfiffiger Weise die Zapfwelle auf 1000 U/min eingestellt um ein schnelleres Arbeiten zu ermöglichen. Nach umstellen der Zapfwellengeschwindigkeit auf 540 U/min und Gewicht auf den Frontlader, funktionierte das System nach kurzer Zeit wieder einwandfrei. Was kann hier die Ursache gewesen sein. Ist das Grundsätzliche benutzen eines Frontladers mit doppelter Hydraulikleistung ein Problem oder sind hier andere Komponenten (Steuergerät o.ä.) nicht dafür ausgelegt ?
Ich bedanke mich schon mal für Eure Antworten bzw. Euer Wissen.

Gruß
Klicker
 
Re: Frage zur Hydraulik Speziell Frontlader

Hallo Klicker,

Huhh, das ist nun mal wieder gar nicht so leicht zu beantworten. Nachdem der Frontlader durch Lastauflegen wieder freigängig geworden ist, denk ich mal dass man Steuergeräte und dergleichen ausschließen kann.

Es könnte sein dass sich die Dichtungen in den einfachwirkenden Zylindern derart erwärmt haben, dass sich die Dichtungsvorspannung derart vergrößert hat und das Leergewicht vom Frontlader nicht mehr ausgereicht hat, um ihn wieder per Schwerkraft nach unten zu bewegen. Ich kenn das von Dichtungssätzen aus dem Werkstoff NBR. NBR hat einen sehr viel größeren Wärmeausdehnungkoeffizient als Stahl (was ja die Dichtungen am Aussendurchmesser fasst). Die Vorspannung wird dann bei Erwärmung so groß, dass sich der Zylinder nicht mehr einschieben lässt. Wenn der Schäffer-Lader solche Dichtungen hat, und euer Fahrer "alles gab" und durch die Reibarbeit der schnellen Kolbenbewegung im Zylinder diesen derart angehitzt hat, könnte das die Ursache sein.

Hast Du eine Ersatzteilliste für den Frontlader? Wenn ja, schau mal rein, welche Dichtungen (und aus welchem Werkstoff) da als Kolbendichtung und als Abstreifer an der Kolbenstange verbaut wurden. Ich schau auch mal beim Nachbarn nach, der hat einen Schäffer-Lader am IHC. Vielleicht hat der ja Unterlagen hierzu.

Eine andere Vermutung ist ein nicht gleichmäßiger Anschlag der beiden Zylinder im ganz ausgefahrenen Zustand (also bis auf Anschlag angehoben). Wenn die beiden Zylinder nicht exakt gleichzeitig auf Anschlag gehen, verwindet sich der Frontlader dadurch zwangsläufig und klemmt die Kolben durch die dabei entstehende Querkraft in den Zylindern fest. Die Hebellänge von Kolbenführung und Kolben an der Zylinderwandung ist dann sehr klein und kann große Kräfte zwischen Kolben und Zylinder entwickeln. Frag mal den Fahrer ob das bei Aushebung auf Anschlag passiert ist.

Gruß
Peter
 
Re: Frage zur Hydraulik Speziell Frontlader

Hallo Peter,

Vielen Dank schon mal für Deine Antwort. Die Vermutung mit den Ausdehnungen der Dichtungen klingt schon mal plausibel. Man darf ja nicht vergessen das statt 32l/min mindestens 51l/min (laut Bedienungsanleitung) gefördert werden und sich die fast doppelte Menge Öl überall durchquälen muß. Durch die erhöhte Reibung folgt natürlich auch eine höhere Erhitzung des Öls.

Leider habe ich keine Ersatzteilliste oder dergleichen, auch im Internet ist nichts zu finden. Die Hydraulikzylinder haben die Typenbezeichnung A 60 WH (scheint aber auch eine interne Schäffer Nr. zu sein) da nichts im Internet drauf anspricht.

Deine Vermutung mit dem nicht gleichzeitigem Anschlag bei ganz ausgefahrenem Zylinder kann ich nicht bestätigen, da der Frontlader schon oft bis zum oberen Anschlag ausgefahren wurde und es noch nie Probleme gab. Habe die Sache auch visuell geprüft und keine Unstimmigkeiten festgestellt.
Zum Zeitpunkt der Blockade, war der Frontlader nicht ganz ausgefahren.

Zum Zeitpunkt des nicht mehr runtersenkens, beobachtete ich, das die linke Kolbenstange durch Ihr Eigengewicht herunter wollte, aber durch den Bolzen am Frontlader gehalten wurde. Ich sah deutliches Spiel zwischen Kolbenbolzen und Auge am Frontlader beim betätigen des Steuerhebels fürs anheben und absenken. Die rechte Kolbenstange bewegte sich allerdings nicht einen Millimeter nach unten, aber nach oben ging es noch.

Leider war ich nicht am Fahrzeug, als der Frontlader mit Gewicht bestückt wurde um ihn wieder herabzulassen. Aber ein anderes Vereinsmitglied berichtete, daß dann deutliche Luftgeräusche zu hören waren. Vielleicht ist ja auch viel Luft mit in die Leitungen geraten, aber das Luft im Hydrauliksystem das zusammenschieben der Hydraulikzylinder blockieren könnte ist mir nicht ganz einleuchtend. Oder wäre das eine Erklärung für ein Verwinden des Frontladers bei ungleichmäßigem Druck beider Zylinder ?

Gruß
Klicker
 
Re: Frage zur Hydraulik Speziell Frontlader

Hallo Klicker,

deiner Beschreibung nach (linker Zylinder bewegt sich leichtgängig im Stangenauge nach unten, während sich der rechte Zylinder weigert einzufahren) hat das ganze nichts mit der Schlepperhydraulik zu tun. Das ist doch schon mal was.

Wir stellen fest, dass sich der rechte Zylinder unter Umständen festklemmen kann. Da ja höchstwahrscheinlich am linken Zylinder auch der gleiche Dichtungssatz drin ist und auch mit der erhöhten Fördermenge an Öl klarkam, stimmt da an dem rechten Zylinder was nicht. Das kann z.B. eine erhöhte Grundvorspannung der Dichtung sein. Am Schäffer-Zylinder ist der Zylinderkopf ja einfach aufgeschraubt und mit einem Gewindestift (manche sagen auch Madenschraube dazu) gesichert. Löst man den Gewindestift und schraubt den Zylinderkopf (das verdickte Ende zum Kolben hin) ein Stückchen locker, hat man die Dichtungsvorspannung verringert. Dann verursacht die Dichtung auch weniger Reibung und dem Spuk mit dem Festklemmen (auch bei erhöhter Kolbengeschwindigkeit bei erhöhter Förderleistung) ist ein Ende gesetzt.

Zur Frage wie weit man denn die Dichtungsvorspannung verringern kann: Wenn sie zu gering ist, kommt ganz einfach Öl zwischen Kolbenstange und Zylinderkopf raus, dann ist man zu weit gegangen. So geht es im pragmatischen Fall um das Problem zu lösen.

Wenn man die Dichtungsvorspannung präzise einstellen will, braucht man ein Manometer um den Losbrechdruck des Zylinders zu messen. Das heißt den anderen Zylinder von der gemeinsamen Ölleitung absperren und ein Manometer in die Leitung des zu untersuchenden Zylinders einbauen. Die Dichtungsvorspannung ist ok, falls sich der Zylinder mit einem Druck von 5 bis 10bar in Bewegung bringen lässt. Hier muss man recht feinfühlig am Steuergerät bei geringster Motordrehzahl agieren um den Zustand "Ausfahren" und den korrespondierenden Druck erfassen zu können. Um den "rechten" Zylinder genauso einzustellen wie den "linken" (der sich ja auch bei erhöhter Fördermenge an Öl bewährt hat), misst man zuerst den Losbrechdruck am linken Zylinder und stellt hernach den rechten Zylinder genauso ein.

Die Luftgeräusche beim Ablassen (wie du berichtet hast) sind eindeutig auf einen festgeklemmten Zylinder zurückzuführen.

Gruß
Peter
 
Hallo Peter,

vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten. Da bin ich ja schon mal froh, daß sich das Problem "nur" auf den Hydraulikzylinder beschränkt. Es sollten sowieso neu Dichtungssätze in die Zylinder eingebaut werden, wo ich dann die Einstellungen der Dichtungsvorspannung dank Deiner Beschreibung richtig justieren kann.

Vielen Dank und einen schönen Gruß aus dem Eichsfeld
Klicker
 
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